Februar 2nd, 2012

Trauer und Zorn

„Angelika. Annäherung an ein Kinderleben“. Feature von Charly Kowalczyk NDR/Dradio Kultur 2010

WDR 5, So 05.02.2012, 11.05 – 12.00 Uhr und Mo 06.02.2012, 20.05 – 21.00 Uhr

Angelika ist eine junge Frau, die einiges hinter sich hat: Verwahrlosung und Missbrauch, Demütigung und Gewalt. Aber sie hat eine gute Zeit mit ihrer Pflegefamilie verbracht. Charly Kowalszyk lernt sie dort kennen und stellt sie uns vor, mit all ihrem Zorn, ihrer Trauer und ihren Chancen auf etwas Glück.

Charly Kowalczyk kennt sich aus mit Pflegefamilien und Pflegekindern, er hat mehrere Bücher darüber geschrieben. Für sein Feature stellt er die richtigen Fragen: wer ist Angelika, was hat sie als Kind erlebt, als sie zu Hause eingesperrt, geschlagen und sexuell missbraucht wurde? Welche Erfahrungen machte sie in ihrer Pflegefamilie, die sie mit neun Jahren aufnahm und wo sie geliebt wurde. Warum hat das Jugendamt, die Schule, die Nachbarschaft nichts bemerkt von ihrem Leid und hat sich gekümmert?

Angelika selbst gibt viele Antworten. Sie ist akustisch schwer zu verstehen, hat spät sprechen gelernt und lebt heute als erwachsene junge Frau in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Charly Kowalsky, so erfahren wir, lernt sie und ihre Pflegefamilie kennen, als sie fünfzehn ist. Für die Sendung besucht er sie eine Woche lang jeden Tag. Zwei Interviews werden ihm von der Leitung der Einrichtung genehmigt.

In Rückblicken und Geschichten aus dem gegenwärtigen Alltag setzt sich ein Bild zusammen von einer zornigen, traurigen aber auch lebensbejahenden Angelika. Ihre eigenen Geschichten, die Erinnerungen und Statements ihrer Pflegeeltern und die Einschätzungen des Jugendamtes heute lassen ahnen, was sie hinter sich hat. Sie beschönigen wenig. Angelika hatte es schwer und hat es sich und ihrer Pflegefamilie auch nicht leicht gemacht. Das Jugendamt und die Bewohner des kleinen Dorfes in Brandenburg, in dem sie als Kind gelebt hat, haben versagt. Sie war ein Wendekind, so erklärt es die Jugendamts-Vertreterin heute. Anfang der 90er Jahre gab es eine große Verunsicherung der Behörden und die Menschen haben weggeguckt.

Charly Kowalczyk erzählt subjektiv die Geschichte seiner Annährungen an ein Kinderleben. Ruhig, unaufgeregt und klar in seiner Haltung. Zorn und Wut brechen in Musikakzenten auf – die Musik Angelikas. Für das Feature erhielt er den Deutschen Sozialpreis 2011 der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände.

wa


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