„Der menschliche Fisch“, Dokumentarfilm von Peter Braatz, SLO/D 2007
ZDF Theater, Mi 29.09.2010, 17.35 – 19.00 Uhr.
Slowenien ist ein Land am Rande der Aufmerksamkeit. Ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens und seit 2004 Vollmitglied der EU. Früher, sagt Filmautor Peter Braatz, „die Schweiz des Sozialismus und heute schon wieder Klassenbester“.
Der Filmemacher Peter Braatz lebt seit zehn Jahren in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana und sein Film ist eine Referenz an sein Gastland, eine Liebeserklärung wohl auch. Er erzählt davon, was er mag an Land und Menschen und was nicht. Sein Erkundungszug führt ihn in der Hauptsache zu Künstlern, Malern und Schriftstellern. Und vielen Musikern. Das Land ist voller Musik, voller Poesie und der Film ist das auch. Der Philosoph Slavoj Zizek erteilt eher sarkastische Auskünfte. Er fahre nach Slowenien nur zum Ausspannen, das Land leide an „Selbstverschlossenheit“ und „inzestuöser Selbstrücknahme“, die Slowenen seien eine „Nation mit Minderwertigkeitskomplex“ und provinzieller als noch vor zehn Jahren.
Den Eindruck hat man allerdings bei Peter Braatz’ Streifzügen nicht. Er besucht eine Reihe kreativer Menschen. Den 2005 während der Dreharbeiten verstorbenen Dichter Dane Zajc, der mit seiner imposanten Lyrik einen melancholischen Grundton vorgibt. Eine junge Malerin, die mit pornographischen Bildern provozieren will. Den Dichter Zarko Petan, der das erhöhte Lebenstempo beklagt: „In letzter Zeit geht alles so schnell. Aber kein Mensch denkt“. Die Musiker und Sänger Janez Kof und Jane Riegel, auf deren Musik der Film sofort Lust macht.
Dramaturgisch ist der Film leider recht unübersichtlich, der Autor nimmt sich selbst zu wichtig und das scheinbar Avantgardistische in der Machart des Films wirkt altbacken. Die Metapher vom menschlichen Fisch kommt gelegentlich vor, hier als Gedicht, da in einer Choreographie der slowenischen Tänzerin Mala Kline. Man erfährt auch ein wenig über den slowenischen Grottenolm, den sie eben den „menschlichen Fisch“ nennen. Erst ein Blick auf die Website belehrt über den Sinn der Metapher: die Grottenolm-Art heißt auf lateinisch “Proteus” und Proteus wiederum steht in der Soziologie als Begriff für den extrem anpassungsfähigen, flexiblen Mensch des 21. Jahrhunderts.
Wie es halt oft vorkommt: man muss sich aus dem gespreizten Kunsthandwerk das Interessante selbst heraussuchen – und das ist die Begegnung mit hier weitgehend unbekannten Künstlern. Etwa mit dem Fotografen Janez Marencic, dessen wunderbare Schwarzweißfotografien – geometrische Landschaften, durchstrukturierte Form – nach Auskunft des Autors den Anstoß für den Film gegeben haben. Davon möchte man unbedingt mehr sehen.
wol

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