„Waltz with Bashir“.. Dokumentarischer Animationsfilm von Ari Folman, Israel/D/F 2008
Arte, Mi 08.02. 2012 , 02.00 – 03.20 Uhr
Dokumentarfilmer gehen neue Wege und erzählen ihre Geschichten als Animationsfilme. Ari Folmann war mit 20 Jahren als israelischer Soldat im ersten Libanonkrieg in West-Beirut. Erst 25 Jahre später holt er die inneren Bilder hoch und dreht darüber einen dokumentarischen Animationsfilm. “Waltz with Bashier” ist ein herausragender Film über Krieg und Erinnerung. Arte kombiniert ihn mit der Dokumentation “Comics ziehen in den Krieg “. Belege dafür, dass das Genre wahrhaftig vom Krieg erzählen kann.
Ein fulminanter Filmanfang. 26 blutrünstige Hunde hetzen durch die Stadt, rennen alles um, was ihnen in den Weg kommt, kläffen und geifern nach oben. Ein Mann schaut aus dem Fenster, hinab auf seinen Alptraum, den er seit vielen Jahren träumt. Wer sind diese Hunde aus dem Traum. Was wollen sie von ihm?
Der Mann heißt Ari Folman und ist Filmregisseur. Mit 20 Jahren war er als israelischer Soldat im ersten Libanonkrieg 1982 in West-Beirut. Aber er erinnert sich an nichts. Er hat alles verdrängt. Auf der Suche nach den verschwundenen Erinnerungen trifft er alte Freunde, andere Soldaten, die mit ihm stationiert waren. Sie alle haben ihre Kriegsgeschichten und allmählich lässt Folmans Gedächtnis wieder Erlebtes nach oben kommen. Die Geschichte mit den Hunden klärt sich auf. Der Tod eines palästinensischen Jugendlichen, der eine Panzerfaust abschießen will und niedergemäht wird. Eine Schlacht am Strand von Beirut. Und schließlich, die wichtigste aller Fragen: Wo ist Ari Folman gewesen, als christliche Milizen in den palästinensischen Flüchtlingslagern in einem entsetzlichen Massaker an die 3000 Zivilsten ermordeten und das israelische Militär zusah? Wo war er beim „Waltz with Bashir“, als sich auf so furchtbare Weise die Falangisten für den Tod ihres Anführers, des libanesischen Präsidenten Gemayel Bashir rächten? Auf diese Frage läuft alles zu und am Ende verwandeln sich die animierten Szenen in die Realbilder der schreienden und weinenden Frauen und Leichenbergen in den Straßen.
Es geht Ari Folman um die Verantwortung für dieses Massaker, vor allem auch um seine persönliche. Es geht aber auch um die Frage der Erinnerung und Verarbeitung. „Waltz with Bashir“ ist keine historische Dokumentation, sondern ein Film über die Folgen des Krieges für die Seele. In diesem Sinn eine Eigentherapie des Regisseurs, aber viel mehr noch ein Blick auf die Erfahrungen einer israelischen Kriegsgeneration. Streng dokumentarisch sind die Gespräche, die der Regisseur mit Freunden und Kameraden führt. Zeichnerisch aufgelöst sind die Szenen im Bild. Die Animationen erlauben es dem Regisseur, auf mehreren Ebenen zu erzählen, nicht nur die Ereignisse an sich, sondern auch ihren alptraumhaften, manchmal geradezu surrealistischen Widerhall in der Psyche der Akteure zu erfassen. Giftige Farben, comicartige Aktionen und die gewichtige Musik von Max Richter ergeben ein ungemein dichtes, wahrhaftiges und eindringliches Filmkunstwerk, das der Ambivalenz des Antikriegsfilms entgeht, der immer auch Kriegsfaszination mit produziert; und das so nebenbei auch die Möglichkeiten dokumentarischen Erzählens erweitert.
„Waltz of Bashir“ war für den Oscar und den Europäischen Filmpreis nominiert, bekam den französischen César für den besten ausländischen Filme und in dieser Kategorie auch den Golden Globe. Arte zeigt den Film jetzt erstmals in deutschen Fernsehen.
wol

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