Februar 18th, 2011

Debatte: Radio to go

Das Radiofeature hat ein Imageproblem.

Ein Statement von Jean-Claude Kuner, Feature – und Hörspielautor.

Wir, die Feature- und Hörspielwelt, hinken hinterher – ohne Zweifel. Stolz meldet der Programmdirektor die erstaunliche Zahl von monatlich 10 Millionen Downloads von DLF und DR zu Ende 2010.Und dennoch erhalten interessierte Hörspielhörer weiterhin nur eine entmutigende Antwort des Senders auf ihre Anfragen.

Dabei sind es doch gerade diese Hörer, die wir erreichen wollen. Die, die der Flüchtigkeit des durch Kabel und Äther Versendeten zu entgehen suchen, um unabhängig von Zeit und Ort und so oft sie es wollen, ein Stück hören zu können.

Diese Gedanken haben für mich als Macher schon lange inhaltliche wie formale Konsequenzen. Ich produziere nicht mehr nur für einen Hörer, der sich machtlos einer Sendung ausgeliefert ohne sie unterbrechen, wiederholen oder erneut starten zu können. Ich denke vielmehr an ein Publikum (der Zukunft), das sich Feature und Hörspiel anhört wie ein gutes Stück Musik. Es soll beim ersten Hören neugierig machen und bei einem zweiten noch überraschen können. Die Stücke dürfen klanglich und inhaltlich anspruchsvoll auch deshalb sein, weil sie dem Hörer die Freiheit zur Unterbrechung und Wiederholung zugestehen.

Es wird mehr gehört denn je! Draussen ist eine mobile und vornehmlich junge Hörerschaft mit ihren mp3 Playern und Smartphones unterwegs, die die Sender noch immer schwer bis gar nicht erreichen. Vor allem nicht mit Feature und Hörspielen.

Ich sehe dafür wesentlich zwei Gründe. Zu einem durch das noch immer nicht konsequent realisierte Podcastangebot in diesem Bereich – es liesse sich mit einem zeitlich begrenzten Download nach der Sendung, sozusagen eine alternative Sendeform, urheberrechtlich sicherlich in den Griff bekommen. Zum anderen durch unsere schwache Präsenz in anderen Medien, nicht nur dem Internet – letzteres auch durch uns Autoren selbstverschuldet! Auf der Website der International Feature Conference (http://www.ebu.ch/ifc) finden sich gerade einmal 12 persönliche Websites. Und das weltweit!

Wir sind ausserhalb unserer Sendungen in der Öffentlichkeit kaum vorhanden, präsentieren unsere Arbeit nicht und so wird über uns auch so gut wie nie berichtet. Wir gelten einfach nicht als so „cool“ wie andere Kulturschaffende. Ein Imageproblem.

….. vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Programm. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass zu den im Deutschlandradio ausgestrahlten Hörspielen aus rechtlichen Gründen generell keine Mitschnitte oder Audio-Dateien zur Verfügung stehen. Das gilt leider auch für das Podcast-Angebot. Gerne mache ich Sie auf unseren Radiorekorder aufmerksam, mit dem Sie künftig für Sie interessante Sendungen aufzeichnen können.“ (Quelle: Deutschlandfunk)


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