“Schnee. Geschichten einer Leidenschaft”. Feature von Sibylle Tamin. Dradio Kultur/NDR/RBB 2011
SWR 2, So 5.2. 2012, 14.05 – 15.00 Uhr
Schnee bringt Kinderaugen zum Leuchten, lässt Dreck unter einem weißen Kleid verstecken, bringt Kälte und Tod. Dichter und Schriftsteller schreiben über Schnee, Wissenschaftler wollen fasziniert sein Geheimnis lüften. Der japanische Physiker Ukichiro Nakaya nennt die weißen Flocken “Briefe aus dem Himmel”. Stoff genug also für Sibylle Tamin.
Es sind einmal die Stimmungen, die hörbar werden. Musikalische Akzente, knirschende Schritte im Pulverschnee, getragene Stimmen. Dann kommen erklärende, erläuternde Töne. Was ist Schnee?, Was fasziniert die Wissenschaft?, Warum ist eine Flocke ein Sechseck und welche Folgen hat der Klimawandel? Zitate von Thomas, Mann, Hans Christian Andersen, Fran Kafka und vielen anderen bringen den Schnee als literarisches Thema ein. Dann ist da noch die Geschichte eines jungen Mannes, der den Schnee leidenschaftlich liebt. Robert, so heißt er, liebt den Schneesport. Er findet seine Liebe auf einem gefährlichen Schneeausflug. Er wird Mitglied der nationalsozialistischen Partei, um als Sportler bei den Olympischen Spielen 1936 mit dabei sein zu können. Er wird Soldat in Norwegen, dem Urland des Wintersports. Und er stirbt im Eis.
Sibylle Tamin webt aus diesen Elementen einen Teppich. Zunächst hüllt der Klang ein, lässt den Wunsch nach einer weißen, stillen Landschaft aufkommen, friedlich, still. Doch brechendes Eis, knirschende Schritte lassen einen frieren, brechen die Stimmung. Am Ende steht der Tod, nicht nur von Robert Walser, der sich nach 23 Jahren in einer Anstalt am Weihnachtstag 1956 auf eine Wanderung begibt. Ein Hund findet ihn tot im Schnee. Schönheit und Gefahr einer Leidenschaft, die Sibylle Tamin zu Gehör bringt und nachvollziehbar werden lässt.
wa

Loading ...